Zwischen uns, das Unbekannte

Wir sind schüchtern. Alle beide.
Wir mögen uns, doch sind wir uns nicht sicher, wie denn eigentlich.
Wir können stundenlang reden, uns unterhalten und lachen.
Wir können aber auch schweigen. Uns ignorieren, als sei der andere nicht da.

Da ist diese komische Spannung, wenn wir miteinander umgehen.
Es sieht so lässig aus, doch ist es verklemmt.
Da ist etwas Unausgesprochenes, das wir ertragen.
Es wird aber nicht gesagt, stattdessen leiden wir darunter.

Ich spüre seine Blicke, entgegne sie, wenn er nicht schaut.
Es ist wie Tanzen, nur nicht zu erkennen.
Wie eine Prüfung, die es zu bestehen gilt.
Dessen Abschluss nicht in Sicht ist.

Man kommt Zuhause an, und doch ist es weit weg.
Voller Wärme, die durch Distanz verkühlt und verzogen wird.
Wechselseitiger Irrsinn. Keine Logik.
Gleichsame Verwirrung. Durcheinander.

Zwischenmenschlichkeit ist Pokern. Reines Glücksspiel.
Es gibt nur den ultimativen Hauptgewinn oder einfach nichts.
Grausame Geduldsprüfung. Ein langer Faden.
Ständiges Hadern. Zetern. Warten.

Zwischen uns, so viele Fragen. Hunderte vielleicht.
Antworten sind leider rar. Ja, die Feigheit muss es sein.
Zwischen uns, das Unbekannte.
Doch Aufgeben ist keine Lösung. Niemals. Nie.

 

 

 

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Die „Aktiv-Hospitanz“

Ich dachte, ich wüsste, was auf mich zukommt, als ich mich für die Hopsitanz bei einem Schauspiel am großen Theater gemeldet habe. Der normale Regieassistenten-Wahnsinn halt: Mitschreiben, Aufpassen, Ablauf durchgeben, zwischendurch einmal soufflieren, fertig.
Der Probenablauf ist spannend: Immer wieder passiert etwas Neues, Szenenideen werden ausprobiert und es wird jede Menge am Stück herumgebastelt. Besonders ist da erstmal nur der Live-Musiker, der das Geschehen untermalen und begleiten soll und dann sogar Teil des Ensembles wird.
Ich sitze an meinem Tisch und sauge alles in mich auf, wie ein Schwamm. Jedes Detail, jede Frage, die erläutert wird, brennt sich in meinen Kopf ein. Wie funktioniert das Theatermachen überhaupt?

Gestern bröckelte dann meine heile Assistentenwelt, als alle, also wirklich alle, bei einer Übung mitmachen sollten. Stimmübungen, na klasse. Im Grunde nichts Neues, singe ich doch regelmäßig, vor einem Profiensemble ist das allerdings doch etwas anderes.
Ich hab mich gefühlt wie ein kleines Kind zwischen Hünen – unbeholfen, schwach und wahnsinnig fehl am Platz. Ich versuchte die Erleichterung zu unterdrücken, als ich mich endlich hinsetzen durfte.
Heute morgen ging dann alles wieder gewohnt seinen Lauf. Normale Probe halt, ohne viel Brimborium. Bis es 12 Uhr wurde.
„Wir fangen wieder mit dem Aufwärmen an,“ sagte Herr Musiker und arrangierte die Schauspieler in einem Kreis. Dann blieb er vor mir stehen. „Magst du auch?,“ fragt er mich, diverse Augenpaare starren mich an. Nein sagen ist keine Option, also stehe ich auf und gehe mit in den Kreis. Als erstes wird sich warm gemacht, dann bekomme ich Noten in die Hand gedrückt und dann…. ja und dann musste ich singen. Sopran, ein altes Kirchenlied. Ich gebe zu, man verliert schnell seine Schüchternheit, wenn man so eine nette und liebe Kollegin hat. Die Schauspielerin, die mit mir zusammen singt, ist schon einige Jahrzehnte im Geschäft. „Du packst das schon,“ ermutigt sie mich, dann geht es los. Immer wieder und wieder, alleine und dann im Chor mit allen Anwesenden singen wir; auf Latein, warum auch nicht?!

Plötzlich fällt mir auf, dass ich gar nicht mal so daneben bin. Herr Musiker lässt mich die Töne ansingen, dann nickt er und geht zum Nächsten. Zwischendurch entspanne ich, lege den Zettel weg. Ich kann die Noten eh nicht lesen, aber hören. Ich singe und singe und singe, werde lauter und stärker und klarer.
„Ich kann das,“ denke ich, „Ich halte gerade mit.“ – Ich überrasche mich selbst.
Die Schauspielerin gibt mir ein High-Five.
„Sitzt,“ meint sie und lächelt mich an. Mein Körper bebt.

Es sind diese kleinen Momente zwischendurch, in denen ich mich selbst fasziniere und stolz darauf bin, wie ich aus mir herauskommen kann. Bin ich doch in Gruppen immer sehr schüchtern und zurückhaltend, habe ich es heute tatsächlich geschafft, mich in solch einer Anti-Situation wohlzufühlen und Spaß zu haben. Ein kleines Erfolgserlebnis, das für Andere so unbedeutend sein mag, für mich aber gerade, sind meine Tage derzeit so voll und stressig wie seit langem nicht mehr, war dieser Augenblick wie aus einer anderen Welt.

Ich freue mich auf den kommenden Probenverlauf, auch wenn ich nicht mehr mitsingen sollte. Schließlich bin ich die Hospitantin und keine Spielerin. Ich werde weiter an meinem Tisch sitzen, meine Aufgaben erledigen und lernen, so viel es geht.
Und sollte ich doch nochmal mitsingen dürfen – dann ist das eben so!

Pia

Ein Weg, ein Ziel und doch kein bisschen Geradeaus

Ich erinnere mich noch daran, wie ich 2014 meine erste Vorlesung besucht habe. „Journalistische Darstellungsformen“, an meinem Geburtstag.
Ich wollte unbedingt Journalistin werden, für die ganz großen Blätter schreiben oder für Fachmagazine, für deren Themen ich brenne.
Am liebsten Kultur oder Wissenschaft. Ich konnte es kaum erwarten, spannende Menschen kennenzulernen und zu reisen und für meine Texte geliebt und gehasst zu werden, denn jeder Autor, der kritisch ist und irgendwas herausfindet wird von den einen geliebt und von den anderen gehasst.

Ich habe genau ein Semester an meinem so felsenfesten Traum geglaubt, bis ich gemerkt habe, dass es noch andere Wege gibt, die mich noch mehr reizen als das einfache Berichten und Niederschreiben von Dingen, die ein anderer erfunden hat.
Jedes Seminar über PR und Öffentlichkeitsarbeit, über Medientheorie und Kommunikation hat mich mehr gepackt, als die journalistischen Fächer, auch wenn das Schreiben mir jedes Mal Spaß gemacht hat.
Bis zum Ende meines Studiums waren es Themen wie Neutralität, Moral, Anwendung und Wirkung von Kommunikation in der Gesellschaft und deren verschiedenen Ebenen, die mich aus dem Vorlesungstiefschlaf gerufen haben.

Da wollte ich hin: In die Unternehmen, die Agenturen, ich wollte strategisch Denken und planen und nachdenken. Interkulturell, international arbeiten, lernen, wie unterschiedlich Kommunikation ist und wie man Hindernisse überwinden kann.
Dann kam der Abschluss und das Theater und die Kultur, die ich schon immer so mochte, die ich aber vergessen hatte. Ich durfte mich mit Themen beschäftigen, die mich am Anfang meines Studiums gereizt haben, ich durfte Kommunikation entdecken, die sowohl strategisch durchdacht wie vielseitig war und ich musste kreativ sein, um die Ecke denken.
Und da erinnerte ich mich an meine Schulzeit und die Worte, die ich gesagt habe, als man mich fragte, was ich einmal beruflich machen möchte: „Ich möchte kreativ sein und nachdenken, ich möchte Abwechslung und Aufregung. Ich möchte etwas bewirken, auch wenn es nur ganz klein ist, Menschen bewegen und sagen können ‚Ich war Teil dieses Sturms‘. Mein Ziel ist es, mir den Kopf über die verrücktesten Kuriositäten zu zerbrechen und sie zu erklären und bunt zu machen. Und ich will schreiben, mehr als alles andere und in ebenso vielen Facetten, wie es Wörter auf der Welt gibt.“

Ich habe mich auf meinem Weg nie verlaufen, trotzdem muss man hin und wieder eine andere Abzweigung nehmen, um nach Hause zu kommen. Man muss sich umschauen und ausprobieren, man muss lernen, was man begehrt und was man abstößt.
Dieser Prozess ist lebenslang, voller Ecken und Kanten, sanften Brisen, Sonnenstunden und genau deshalb so liebenswürdig.

Pia

Unverhofft kommt Neues oft

„Hallo Pia, kannst du mir nächste Woche wohl einen Gefallen tun?“ – so fing die WhatsApp-Nachricht an, die mich heute Mittag erreicht hat. Ich schaue auf den Absender: Regieassistent aus dem großen Theater und ab kommender Woche mein Arbeitskollege bei dem Schauspiel, bei dem ich hospitieren werde.
Mittwoch ist Konzeptionsprobe und dann geht der normale Wahnsinn bis zur Premiere los. Regieassistent und ich kennen uns noch aus meiner Praktikumszeit am großen Theater und kommen gut miteinander aus.
Trotzdem wundert mich seine Bitte schon ein wenig: Er hätte nächste Woche keine Zeit für die Proben, eine andere Produktion hat am Freitag Premiere und er möchte bei den Endproben dabei sein. Verständlich. Also seine Frage, ob ich für ihn einspringen könnte.

Das kalte Wasser, in das ich geschmissen werde, kitzelt schon an meinen Zehen. Ich hab noch nie hospitiert, kenne das Theater hauptsächlich aus der Perspektive der Öffentlichkeitsarbeit. Klar, ich habe schon einmal Proben gesehen, bin viel hinter den Kulissen herumgehuscht um hier und dort mal was zu erledigen. Allerdings ist mir die direkte Arbeit am Stück bisher ziemlich fremd – nimmt man meine Schultheaterzeit mal heraus, das gilt ja kaum.
Deshalb habe ich mich auch für eine Hospitanz entschieden; um meinen Erfahrungs-schatz zu erweitern und auch mal diese Seite kennenzulernen. Das man mich allerdings direkt fragt, ob ich für jemanden als direkter Regieassistent einspringe und eine Position übernehme, die ich nicht kenne, finde ich mutig. Gleichzeitig freue ich mich natürlich sehr darüber, dass man mir so etwas zutraut, auch wenn es nur ein paar einzelne Tage sind -egal!
Ich fange also langsam an, mir den Badeanzug anzuziehen und bereite mich innerlich auf meinen Tauchgang vor. Vielleicht wird das Wasser noch wärmer?
Morgen bin ich zu einem Briefing am Theater, wo mir genau gesagt wird, was auf mich zukommt. Ich blicke auf jeden Fall voller Vorfreude nach vorne, mit Begeisterung für die vielen neuen Aufgaben und Eindrücke. Es wird und bleibt spannend!

Pia

„Ich arbeite am Theater.“ – Eine Anekdote

Jedes Mal, wenn man eine neue Person kennenlernt, kommt früher oder später die Frage: „Und, was machst du so beruflich?“
Ich sage dann immer: „Ich arbeite am Theater.“
Für mich ist das mittlerweile normal; ebenso wie andere Leute in der Bank oder im Kaufhaus arbeiten.
Für viele Menschen ist das Theater allerdings ein ziemlich unbekanntes Berufsfeld und die wenigstens wissen wirklich, wie viele unterschiedliche Arbeitsfelder in diesem alle untergebracht sind. Letzten Endes ist das Theater ja auch nur ein ganz normales Unternehmen.
Aber zurück zum Thema: Immer, wenn ich also sage, dass ich am Theater arbeite, kann sich das dann entstehende Gespräch in zwei Richtungen entwickeln: Weiterlesen